Der Kunstbegriff von sowieso! Kunstworkshops


 

1-      Zustand | erweiterter Kunstbegriff

2-      Prozess | Anti-Artefakt

3-      Gesellschaft | Utopie

 

 

1. Die künstlerischen Workshops von sowieso! sind eng mit unserer Gesellschaft verbunden, da sie mit dem erweiterten Kunstbegriff arbeiten und demnach Kunstproduktion als eine soziale Kompetenz verstehen – und nicht zur Hervorbringung von materiellen Artefakten. Das menschliche Handeln (Produktionsprozess) wird eingeschlossen in die Vorstellung von Kunst. In unserer fragmentierten und pluralen Zeit, in der das Miteinander immer mehr in den digitalem Raum verschoben wird, sind künstlerische Techniken mehr als skills, die es zu erlernen gilt. sowieso! entwickelt Situationen, Prozesse und Konzepte für ein nachhaltiges Zusammenleben – für Menschen mit und ohne körperliche und geistige Behinderungen.

 

2. Der Produktionsprozess, der nicht auf die Schaffung eines Kunstwerks abzielt sondern in sich schon erfüllend ist, steht im Zentrum unseres Handelns. Unsere BetreuerInnen vermitteln neben künstlerischen Techniken durch kreatives im-Moment-sein das Bewusstsein, dass die Normierung der Gesellschaft nur durch Gemeinsamkeit verhindert wird. Die Frage nach dem WIE steht vor jedem Prozess im Fokus, weniger die nach dem WAS.

 

Die Formen von Kunstwerken wurden durch die Implementierung des erweiterten Kunstbegriffs vielfältig. Das formalästhetische Kunstverständnis, in dem das Produkt über allem steht, ist immer mehr antiquiert. So konnte die Vorstellung, dass jeder Mensch ein Künstler sei, bekannt werden. Was letztlich als Kunst und wer als Künstler anerkannt wird, ist vielfältig.

Daher wollen wir für uns klären, was unsere Kunst ist:

Durch künstlerische Techniken werden die verschiedensten Materialien geformt. Von unseren BetreuerInnen (die teilweise eine klassische künstlerische Ausbildung haben, teilweise aber auch durch ganz andere Hintergründe zu sowieso! gekommen sind) und von den Kindern. Es steht vielmehr die Freude am kreativen Prozess im Vordergrund als die Frage nach der Langlebigkeit der Produkte. Manche Formen sind sobald wieder obsolet und Vergangenheit. Andere hingegen bleiben bestehen und werden als „Souvenir“ mitgenommen - entziehen sich aber der gängigen Ausstellbarkeit von Kunstwerken, da sie nicht mit dem Ziel entstanden sind, Kunstwerk zu werden.

 

3. Die Struktur unserer Gesellschaft beruht auf Rechts-, Wirtschafts- und Geistesleben. Bildung, Kultur und Wissenschaft sind im Geistesleben verortet und mit den anderen Fundamenten um Gleichgewicht bemüht. So ist die Arbeit von sowieso! primär künstlerisch im Hauptbereich des Geisteslebens und sekundär gesamt-gesellschaftlich. Eine inklusive Gesellschaft erkennt in allen Bereichen das Recht des/der Einzelnen an – wie auch seine/ihre Bereicherung für alle anderen. Das ist in Österreich und in Europa jedoch noch ein langer Weg und uns ein Ansporn für unsere künstlerische Arbeit im Jetzt und für kommende Zeiten.